Zeit für einen Jobwechsel?


Zeit für neuesIrgendwann kommt jeder mal an einen Punkt, an dem man feststellt, dass im Job die Luft raus ist. Man ärgert sich ständig über den Chef, will endlich komplexere Aufgaben übernehmen und seinen Horizont mal wieder erweitern. Meistens steht uns dabei aber der innere Schweinhund im Weg. Raus aus der Komfortzone, rein ins nächste Abenteuer? Sich neu bewerben? Dazu müsste man ja erstmal seinen Lebenslauf aktualisieren, ein Passfoto machen, die Stellenbörsen nach interessanten Jobs durchforsten und gegebenenfalls auch über seinen Schatten springen. Ganz neu anfangen oder woanders da weitermachen, wo man aktuell aufhören will?  Aber wann ist letztlich der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel?

von Yasmine Limberger
Fakt ist: Spätestens nach drei bis vier Jahren ist es in der Regel Zeit für neue Impulse im Job. Meist merkt man bereits im zweiten Jahr, dass sich eine gewisse Routine eingestellt hat und man wird neugierig auf neue Aufgaben, die einen mal wieder so richtig fordern. Je jünger man ist, um so früher wird sich dieser Zustand aufdrängen. Man ist noch voller Tatendrang und will auf keinen Fall irgendwo versauern, nur weil der Arbeitgeber zu wenig Spielraum für die persönliche Entwicklung lässt. Andererseits will man auch nicht ständig neue Arbeitgeber oder Jobs ausprobieren, schließlich hat man ja ein konkretes Ziel, dass man erreichen will. Um das zu verfolgen sollte man spätestens im zweiten Jahr mit seinem Vorgesetzten darüber sprechen, wie es weitergeht, welche neuen Aufgaben anstehen und wie die Weiterentwicklungsstrategie im Unternehmen ausgerichtet ist. Bietet sie genügend Perspektiven, sich auf dem neusten Stand zu halten und Praxis-Know-how in innovativen Projekten zu erlangen? Wie kann man sich selbst zusätzlich einbringen, um seine bisher ungenutzten Talente einzubringen? Systematisch sollte man dabei Vorschläge machen ohne als Querulant aufzutreten oder mit falschem Aktionismus an die Sache heranzugehen. Neue Ideen, der Einsatz neuer Technologien oder organisatorische Änderungen müssen fundiert erläutert werden und den Mehrwert für das Unternehmen darstellen. Für Verbesserungsvorschläge sind die meisten Chefs offen, für die individuelle Umsetzung im eigenen Sinn weniger. Die Einflussmöglichkeiten sind zudem meist begrenzt. Wer merkt, dass er nicht weiterkommt, wird bald das Handtuch werfen und sich einen neuen Job in einem anderen Umfeld suchen. Personaler bewerten dabei nicht unbedingt den Zeitrahmen, wie lange ein Bewerber beim jeweiligen Arbeitgeber verweilt hat, sondern die Gründe, die zum Jobwechsel geführt haben. Rein faktisch sieht ein Jobwechsel nach zwei bis drei Jahren „sauber“ aus, dennoch wird nach den Gründen gefragt werden. Man sollte dann plausibel machen, inwieweit der neue Job eine logische Fortführung des bisherigen Werdegangs ist und inwiefern der Jobwechsel in den persönlichen Karriereplan passt. Wer ohne eine erkennbare Strategie von einem Unternehmen zum nächsten wechselt, zwischendurch eine Zeit lang selbstständig war und danach etwas ganz anderes angefangen hat, erscheint auf den ersten Blick planlos und reduziert damit seine Chancen auf einen attraktiven Job immer mehr. Dennoch ist heute der geradlinige Lebenslauf immer seltener anzutreffen. Fachkräfte gehen nicht automatisch vertikal die Karriereleiter nach oben, sondern bauen sich häufig ein Gerüst auf, dass auch horizontale Ebenen und Karriereschritte beinhaltet. Das muss nicht zum Nachteil sein, solange man sein eigentliches Ziel nicht aus den Augen verliert und die einzelnen Stufen inhaltlich aufeinander aufbauen. Ein Haus fällt auch nicht zusammen, wenn es aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt ist, vorausgesetzt, die Bauelemente passen physikalisch zusammen. Genauso verhält es sich im Job. Man kann durchaus Verschiedenes ausprobieren, seine IT-Expertise in unterschiedlichen Branchen oder Unternehmen einbringen ohne gleich als Job-Hopper abgestempelt zu werden. Eine Konstante sollte aber immer dabei sein, die einen als Spezialisten ausweist und die sich wie ein roter Faden durch den Lebenslauf zieht. Das kann eine spezielle Technologie, eine fachliche Ausrichtung oder die Branche sein, in der man über die Jahre seine tief greifenden Erfahrungen gemacht hat. Hauptsache es ist erkennbar, dass man in zumindest einem Gebiet Fachmann ist, der sich flexibel neuen Herausforderungen anpassen kann.

Checkliste: Sind Sie reif für den Jobwechsel?

Mal ehrlich…

  • Sie denken schon morgens beim Aufstehen an den Feierabend?
  • Sie langweilen sich in Ihrem Job?
  • Sie haben vor mehr als zwei Jahren die letzte Fortbildung besucht?
  • Sie arbeiten „nebenbei“ an kleineren interessanten Projekten, von denen Ihr Chef nichts weiß?
  • Sie fühlen sich fachlich in einer Sackgasse und sehen kein Weiterkommen?
  • Ihre technische Ausstattung ist zuhause auf einem höheren Stand als an Ihrem Arbeitsplatz?
  • Ihr Chef macht Ihnen wenig Hoffnung, dass Sie Ihre Karriereziele in absehbarer Zeit verwirklichen können?

Wenn Sie mehr als viermal „Ja“ angekreuzt haben, ist es an der Zeit, sich einen neuen Job zu suchen, der Sie wieder mehr technisch fordert und in Ihrer Karriere weiterbringt. Warten Sie nicht darauf, dass Sie angesprochen werden, sondern bereiten Sie Ihre Bewerbungsunterlagen vor und schauen Sie gezielt nach passenden alternativen Jobangeboten.

 

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